Bergwerke zu Falun von Ernst Th. A. Hoffmann, Nadja Berlinghoff
ARAGON Verlag
Autorenporträt
Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wurde 1776 in Königsberg geboren und starb 1822 in Berlin. Vielfältig begabt in den Künsten, arbeitete er als Musiker, Kapellmeister, Komponist, Zeichner - und natürlich als Literat. Einige seiner Werke: 'Fantasiestücke', 'Nachtstücke', 'Die Serapionsbrüder', 'Lebens-Ansichten des Katers Murr'.
Rezension
Diese beiden Erzählungen sind insofern Hoffmann-untypisch, als sie ihre Handlung an historisch und geographisch entfernte Orte versetzen: einmal nach Schweden und unter Matrosen und Bergleute (was mit einigem einschlägigen Jargon einhergeht); das andere Mal in ein spätmittelalterlich anmutendes Kaufleute-Ambiente in der alten Handelsstadt Danzig. (Der Artushof ist übrigens eine Börsenhalle mit großen Wandgemälden). Traugott, der Protagonist in "Der Artushof", ist eigentlich angehender Kaufmann und zukünftiger Schwiegersohn seines Chefs. Bei einer Begegnung mit einem alten Maler merkt er jedoch, dass er sich zum Künstler berufen fühlt. Das "Ideal", das ihn auf seinen nun beginnenden Irrfahrten leitet und beflügelt, ist Felizitas, die Tochter des Alten, genauer gesagt: ihr Bild; denn sie selbst bekommt er nur ein einziges Mal zu Gesicht. Es ist bemerkenswert, wie Hoffmanns Protagonisten immer wieder ihre unverwechselbaren Geliebten verwechseln können; in dieser Geschichte spielen drei, wenn man das Bild von Felizitas mitzählt sogar vier junge Damen mit, und der noch etwas unausgegorene Traugott hält immer jeweils diejenige für die einzige richtige, mit der er gerade nicht verlobt ist. Zuletzt gelingt es ihm aber doch noch, Künstlerliebe und Eheglück in die richtige Ordnung zu bringen, und alles endet gut. Anders ergeht es Elis Fröbom in "Die Bergwerke zu Falun". Zwar geht es in dieser Geschichte nicht um Kunst, sondern um Bergbau, aber die Suche des Protagonisten nach seiner wahren Bestimmung stellt ihn vor ähnliche Schwierigkeiten: Torbern, der etwas schaurige gute Geist der Bergwerke zu Falun, prophezeit zwar "unaufhörlich Unglück", "sobald nicht wahre Liebe zum wunderbaren Gestein und Metall den Bergmann zur Arbeit antreibe". Für Elis Fröbom werden die Verlockungen der Tiefe jedoch zum Verhängnis. Die Geschichte von dem schwedischen Bergmann (deren bzw. dessen Ende hier nicht verraten werden soll) war zu Hoffmanns Zeit weitbekannt und vielerzählt (z.B. auch von Johann Peter Hebel im "Rheinischen Hausfreund"). Hoffmann erzählt sie mit romantischer Begeisterung für das Innere der Erde (inklusive so bemerkenswerter Gesteine wie Fossile, Pyrosmalith, Almandin, Chlorit und Glimmer) und mit original hoffmannschem Interesse für die unterirdischen Regionen des menschlichen Gemüts.
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