Ein Abend im Club von Christian Gailly mit Matthias Ponnier
2 CDs
Hörbuch Rezension
Es ist fast zu schön, um wahr zu sein: Scheinbar zufällig lernt der ehemalige Pianist und seit zehn Jahren als Ingenieur arbeitende Simon Nardis in einem Jazzkeller die Liebe seines Lebens kennen. Und findet dabei auch seine Leidenschaft für den Jazz und das Leben wieder – ganze zehn Jahre lange hatte er sich vom Jazz und Alkohol fern gehalten und mit seiner Frau Suzanne ein angenehmes Dasein gehabt. Nur eine Nacht und ein paar Stunden am Strand sind nötig, und Simon weiß, er kann und will in sein altes „Leben“ nicht zurück. Seine Freiheit hat allerdings einen Preis. Dieses Thema eines Neuanfangs, einer noch einmal erlebten großen Liebe wird hier in einem ganz eigenen Stil interpretiert: leidenschaftlich, intensiv und im „Jazz“. Wer also die Liebe, das Schicksal, den Jazz und „swingende“ Literatur mag, wird ein begeisterter Zuhörer von Matthias Ponniers Lesung des Romans „Ein Abend im Club“ von Christian Gailly sein. Das ist sicher!
Die zärtliche Geschichte wird äußerst vielschichtig erzählt. Es gibt den Erzähler, der alles weiß, zwischen den Zeiten und Personen souverän hin- und herspringt, und ein sehr guter Freund Nardis, aber auch seiner Frau Suzannes ist. Der Erzähler weiß um die Leidenschaft und die dazugehörenden Gefahren des Künstlers; er selbst ist Maler. Der Charme der Story liegt vor allem in den rhythmisch komponierten Sätzen: im Wechsel zwischen den Erzählperspektiven und der leichten, stilistisch sicheren Sprache mit ihrer Intensität und ihrem Sinn für Komik. Der Autor hat den Jazz im Blut, das hört man.
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In seiner Lesung zieht Matthias Ponnier den Hörer unwiderstehlich in den Bann der Geschichte Simons und Debbies. Dabei stellt sich unaufhörlich die Frage: Wird Simon rückfällig oder wiedergeboren? Ponnier meistert die für diesen Text geforderte Rhythmik und Vielschichtigkeit. Der Schauspieler und renommierte Synchronsprecher wirkte bereits in zahlreichen Hörspielen mit. Seine Stimme gibt brillant das Spiel des langsamen, aber unaufhaltsamen Zueinanderkommens der Sängerin Debbie Parker und des ehemals gefeierten Jazzpianisten Simon Nardis wieder. Er trifft den Ton für die allwissenden Überlegungen und Schachzüge des Erzählers. In den Passagen, in denen über den Tod Suzannes gesprochen wird, findet er die richtige Stimmlage: nicht weinerlich und auch nicht despektierlich. Ponniers erstklassige Interpretation vollenden berühmte Stücke wie „That’s all“ oder „Autumn Leaves“, gespielt von Zbigniew Stanula.
„Ein Abend im Club“ ist Christian Gaillys elfter Roman. Der Roman wurde eines der erfolgreichsten Bücher des Jahres 2002: Das Buch gewann den renommierten „Prix du Livre Inter 2002“ und wurde vom Magazin „Lire“ zum besten französischen Roman des Jahres 2002 gewählt. Bevor Gailly, Jahrgang 1943, sich dem Schreiben widmete, war er Jazzsaxophonist, dann Psychoanalytiker. Sein Musikerdasein gab er wegen der zu großen Gefahren, die darin lauern, auf. Gailly weiß also genau, wovon er in diesem Buch schreibt. „Ein Abend im Club“ trägt stark autobiografische Züge, womit der Autor aber keinerlei Probleme hat. Ganz im Gegenteil, für ihn steht fest, „dass es keine Literatur gibt, die nicht autobiografisch ist.“
Kurzbeschreibung
Der Überraschungs-Bucherfolg aus Frankreich Er war Pianist und die Musik sein Leben. Doch Jazz, Alkohol, Drogen waren für Simon Nardis eine beinahe tödliche Mischung. Allein seiner Frau Suzanne verdankt er, daß er noch am Leben ist. Simon arbeitet inzwischen als Ingenieur - und hat seit zehn Jahren kein Klavier angerührt. Als es ihn beruflich an die Atlantikküste verschlägt, gerät er in den örtlichen Jazzclub. Ein junges Trio spielt - es imitiert Simons Stil. Es geschieht, was geschehen muß: Simon trinkt ein Glas, setzt sich ans Klavier, mit zitternden Händen, die über den Tasten schweben, und beginnt zu spielen. Da betritt Debbie Parker die Szene, und die Liebe hat ihren Auftritt. In rhythmisch komponierten Sätzen, die eine Lesung geradezu herausfordern, erzählt Christian Gailly eine zauberhafte Geschichte. Sie handelt von Sehnsucht und Traurigkeit, vom unterdrückten Leben und den kleinen Toden, die wir täglich sterben, aber auch vom Mut des Aufbruchs und der Tiefe eines späten Glücks.

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