Die Vorleserin von Raymond Jean
Gelesen von Andreas Lammers, Hans H. Ott, Svenja Pages, Friedhelm Ptok, Alexandra Henkel
HörbucHHamburg
Hörbuchrezension
Kann man sich Schöneres vorstellen, als eine Urlaubsfahrt mitten in den Sommer hinein (Kinder gehören hier nicht ins Bild) -- man legt die CD ins Fach -- und lässt sich von Svenja Pages Stimme hinwegtragen. Gibt es einen Roman, der sich zum Vorlesen vorzüglicher eignet als Die Vorleserin von Raymond Jean?
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Marie Constance hat ihr Studium und die Schauspielschule abgebrochen und pflegt den Müßiggang. Den Rat einer Freundin, sich als Vorleserin zu verdingen, beherzigt sie und gerät dabei in die aberwitzigsten Situationen. Allein, der Anfang misslingt: Eric, ihr erster Klient, ein Junge im Rollstuhl, wird mitten im schönsten Maupassant von einem merkwürdigen Schüttelkrampf befallen. Nachdem sich allerdings herausstellt, dass lediglich ein Blick unter Constances luftiges Sommerkleid solch ungewohntes Ungemach bei Eric verursachte, kann man weiterlesen.
Marie Constance beginnt, den neuen Job und ihren kleinen Kundenstamm zu lieben. Eine ungarische Gräfin bekommt Marx zu hören, Herr Direktor möchte Georges Perec, jedem Kunden serviert die schöne Marie Constance seinen Lieblingsstoff -- bis schließlich eines Tages ein greisenhafter Magistrat (herausragend, Jürgen Thormann) beschließt, sich auf seine alten Tage noch Gutes angedeihen zu lassen. Einmal im Leben möchte er die 120 Tage von Sodom von de Sade vorgelesen bekommen. Die Vorleserin steckt nun in der Klemme -- und besteht die harte Prüfung.
Svenja Pages als Vorleserin ist eine hervorragende Wahl, besitzt sie doch die genau bemessene Mixtur aus unschuldiger Frivolität und ironischem Unterton, ein Erfolgsrezept, dem schon Roman und Film ihre erotische Spannung verdankten. Große Namen, darunter Gisela Trowe, Peter Striebeck und Sabine Postel erheben die Geschichte endgültig zum leichten, aber hochkultivierten Hörgenuss.
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Spieldauer: 58 Minunten.
Kurzbeschreibung
Marie-Constance lebt in einer südfranzösischen Kleinstadt. Sie liebt die Literatur und sie hat eine angenehme Stimme. So beschließt sie, Vorleserin zu werden. Auf ihr Inserat in der Zeitung melden sich mehrere Interessenten: Eric, ein behinderter Vierzehnjähriger, der von Marie-Constances Beinen ebenso fasziniert ist wie von der Lektüre, Michel Dautrand, ein bildungs- und liebeshungriger Topmanager, eine gebrechliche Generalin, die Marx und Engels liebt, ein kleines Mädchen und ein pensionierter Richter mit literarischem Nachholbedarf. Auf sie alle wirkt Marie-Constance so faszinierend, dass bald das Gefühlsleben eines jeden in Verwirrung gerät.
Dem Klappentext, der behauptet, daß dieses Buch eine ebenso sinnliche wie sinnreiche Liebeserklärung ans Lesen sei, kann man nicht wiedersprechen. Und es ist sicher auch ein lesenswerter Roman. Denn allein die zahlreichen Zitate von Guy de Maupassant, Charles Baudelaire, Marquis de Sade, Emile Zola, Lewis Carrol und von vielen anderen machen dieses Buch wertvoll. Wertvoll einmal deshalb, weil hier oft schöne Erinnerungen an Bücher, die man einmal gelesen hat, wieder hervorkommen. Zum anderen, weil man sich angeregt fühlt nun doch das eine oder andere Buch, das man schon immer einmal lesen wollte, nun doch endlich wirklich einmal zu lesen. Vergleicht man den Roman aber mit dem gleichnamingen Film, in dem die bezaubernde Miou-Miou die Hauptrolle spielt, so muß man doch eingestehen, daß nach Anschauen des Filmes keine rechte Lust mehr beim Lesen des Buches aufkommen mag. Denn der Film übertrifft den Roman doch bei weitem an erotischer Spannung und Lebendigkeit. Wer den Film gesehen hat, der kann also guten Herzens auf die vorliegende Verschriftlichung verzichten. Wer den Film jedoch nicht gesehen hat, der wird gewiß einige schöne Stunden mit diesem Buch haben und für die Anregungen die es gibt dankbar sein.
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