Die schweinischsten Stellen aus dem Alten Testament von Harry Rowohlt, Denis Scheck
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Hörbuchrezension
Was würde wohl die Freundin sagen, vergliche man ihr Haar mit einer Herde Ziegen, die am Berge Gilead lagert. Auch der Vergleich der Zähne der Angebeteten mit einer Herde geschorener Schafe, die gerade aus der Schwemme kommt, könnte die Beziehung leicht zum Kippen bringen. Dabei sind diese, wenn auch etwas blumigen Huldigungen aus dem Hohelied Salomos doch eigentlich die lautersten und schönsten Komplimente.
Harry Rowohlt liest Die schweinischsten Stellen aus dem Alten Testament, die so schweinisch gar nicht sind. Im Gegenteil, oft wird da eine hochpoetische, fantasievolle und metaphernreiche Sprache bemüht, neben der sich unser heutiges Erotikvokabular wie verkümmertes Gestammel ausnimmt. Dabei werden lustvolle Sachverhalte nicht minder deutlich ausgedrückt. Sentenzen wie "dein Schoß ist wie ein runder Becher, dem nimmer Getränk mangelt" oder "dein Wuchs ist hoch wie ein Palmbaum und deine Brüste gleich den Weintrauben" dürften selbst heutigen überreizten Fantasien kaum Rätsel aufgeben.
Harry Rowohlt, aus der Art geschlagener Sprössling des legendären Verlegers Ernst Rowohlt, genialer Übersetzer des irischen Schriftstellers Flann O'Brien (dessen sprichwörtliche Trinkfestigkeit er gleich mit übernahm), Lindenstraßenschauspieler und Erfinder von
Pooh's Corner, trägt mit sonorem, knarzigen Bass und bar jeder Schlüpfrigkeit jene "anstößigen" Bibelstellen aus den Büchern Mose, Hesekiel und Samuel vor. Ganze Heerscharen von Theologen haben immer wieder versucht, diese unliebsamen Mitteilungen nach Art eines biblischen Reinheitsgebotes entweder verzweifelt zu tilgen, oder ins reinlich Gleichnishafte umzudeuten. Vergebens. Denn, wie heißt es im Sündenfall, 1. Mose: "Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch". Damit war die Kugel nun mal ins Rollen gebracht. Wunderschöne CD, Herr Rowohlt! Spieldauer: ca. 71 min., 1 CD
Kurzbeschreibung
Wenn Bertolt Brecht auf die Frage nach dem Buch, das ihn am meisten beeinflusste, "die Bibel", antwortete, so gilt das erst recht für die Pornographen des 20. Jahrhunderts: nichts aus dem Panoptikum der Perversion, was im Alten Testament nicht enthalten wäre. Generationen von Theologen haben ihren Gelehrtenschweiß vergossen, um die anstößigen Stellen ins Gleichnishafte zu verklären und aus einer der obszönsten Textsammlungen der Antike ein jugendfreies Benimmbuch zu machen. Umsonst. Noch in den abgeschwächtesten Übersetzungen behalten Hesekiel, Hosea und das Hohelied Salomons ihre erotische Wucht - wie dieses CD zeigt!
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