Unschuld von Harold Brodkey
2 CDs
HörbucHHamburg
Rezensionen
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Audiobook-Rezensionen
Man könnte sagen, dass der Stoff, um den es hier geht, die minuziöse Beschreibung eines lange "erarbeiteten" weiblichen Orgasmus ist. In gewisser Weise trifft das auch den Kern von Harold Brodkeys 1990 erschienener Titelerzählung des Erzählbandes "Unschuld". Denn gut die Hälfte der Erinnerungen des Ich-Erzählers nehmen seine außergewöhnlichen Bemühungen ein, Orra den ersten Orgasmus ihres Lebens zu schenken. Doch es gibt da auch noch die andere Hälfte des Zurückblickens; und in der erfahren wir, wie sehr die Studentin den Rückblickenden anzog. Dabei ist dieser sich sehr wohl der Tücken des Erinnerns bewusst. "Sich wirklich erinnern heißt wiedereintauchen und zerrissen werden."
Sicher, man kann nicht erwarten, dass sich alle Männer so viele Gedanken um die Lust ihrer Partnerin machen. Dass sie derart ausdauernd, geduldig, erfinderisch sind und "Lust daran empfinden, die Lust der Frau zu reflektieren, ihren Geist in sich aufzunehmen!" Dennoch: Die aparte Mischung aus plastischer Beschreibung der körperlichen Reaktionen, dessen, was er tut, was er dabei empfindet, was er meint, was sie empfindet, regt in jeder Hinsicht an.
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Schlüpfrig oder pornografisch klingt diese sexuelle Erfahrung nicht, sezierend kalt oder experimentierend seltsamerweise auch nicht. Matthias Fuchs, der anerkannte Schauspieler und Sprecher von Hörbüchern, der drei Monate nach dieser Aufnahme am 1. Januar 2002 starb, hat für diesen sexuellen Bericht einen bemerkenswert sicheren Ton gefunden. Er bewegt sich einfühlsam zwischen Reflexion und Aktion, zwischen Nähe und Distanz. Die Virtuosität, mit der er den Wechsel zwischen Spiel und Sensation, Zurückhaltung und Hingabe beherrscht, verleiht der literarischen Vorlage eine ganz besondere Note. Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 120 Minuten, 2 CD.
Kurzbeschreibung
Die Titelerzählung des 1990 in Deutschland erschienenen Erzählungsbandes erreichte schnell einen gewissen Ruhm, beschreibt sie doch auf 54 Seiten minutiös die Bemühungen des Ich-Erzählers, die Studentin Orra Perkins zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Orgasmus zu bringen. Und der Ruhm dieser Erzählung ist gerechtfertigt, denn Brodkey hat mit ihr den Raum der Möglichkeiten, zugleich plastisch wie reflektiert über Sexualität zu schreiben, enorm erweitert.
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„Eine Empfehlung an alle Männer zur Lektüre.“
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